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Berliner Bahnhöfe: Das sind die Tore der Hauptstadt zur Welt

Berlin ist ein Menschenmagnet. Und viele kommen mit dem Zug. Die Stadt ist so groß, dass Fernzüge in vielen Bezirken halten. Dazu haben die großen Berliner Bahnhöfe in der Geschichte dieser Stadt immer wieder an Bedeutung gewonnen und verloren. Wir geben euch einen Überblick über die wichtigsten Berliner Bahnhöfe.


Der Hauptbahnhof: Zunächst ungeliebt, aber nicht ungenutzt

Der Hauptbahnhof wurde nie wirklich geliebt, was vielleicht an der Lage liegen könnte: Er befindet sich im wirtschaftlichen und kulturellen Niemandsland. Foto: Imago/Andreas Gora

Berlins Hauptbahnhof passt ziemlich gut zu seiner Stadt: Er ist überdimensioniert, einmalig, mit viel Beton verbaut und liefert vor allem viel Potenzial zum meckern. Der Hauptbahnhof wurde 2006 mit einigen Jahren Verspätung für Kosten zwischen 700 Millionen und einer Milliarde Euro fertiggestellt. Zuvor stand auf dem Areal der Lehrter Bahnhof, der ab 1868 Berlin über die niedersächsische Stadt Lehrte mit Hannover verband. Der Lehrter Bahnhof wurde 2002 abgerissen. Dort entstand der größte Etagenbahnhof Europas, der auf fünf Ebenen von Fern-, Regional und S-Bahnen angefahren wird.

Die Berliner*innen stimmten bei einer Befragung 2002 für die Beibehaltung des Namens Lehrter Bahnhof, was die Deutsche Bahn als verwirrend und unzulänglich für den neuen Hauptbahnhof empfand. Also einigten sich die Landesregierung und die Bahn zunächst auf den Doppelnamen Hauptbahnhof – Lehrter Bahnhof. Vor der Eröffnung wurde der Zusatz ‚Lehrter Bahnhof‘ dann abgelegt. In der Bevölkerung war man nie so recht Feuer und Flamme für das Bahnhofsgelände, schließlich steht es im kulturellen und wirtschaftlichen Niemandsland. Dafür gibt es im Gebäude selbst rund 80 Geschäfte, in denen man die Wartezeit totschlagen kann. Täglich zählt der Bahnhof 330.000 Besucher*innen. Der größte der Berliner Bahnhöfe ist damit auf Platz fünf der meistfrequentierten Bahnhöfe Deutschlands macht. 

Mehr Zahlen und Informationen über den Berliner Hauptbahnhof findet ihr hier. Seine Geschichte zeigen wir euch hier: Der Berliner Hauptbahnhof vom Spatenstich bis heute in Bildern.


Der Ostbahnhof: Der größte Abstieg unter den Berliner Bahnhöfen

Der Ostbahnhof war einst einer der stolzesten Berliner Bahnhöfe, aber seine Bedeutung schhwindet. Foto: Imago/Schöning

Der Ostbahnhof zieht zwar an guten Tagen noch rund 100.000 Besucher*innen an, aber seine großen Zeiten sind vorbei. Dabei hat dieser Berliner Bahnhof eine bewegende Geschichte hinter sich – und etliche Namenswechsel. 1842 wurde er als Frankfurter Bahnhof erbaut, später hieß er Schlesischer Bahnhof und war Berlins Tor nach Ost- und Südeuropa. In den 1920er-Jahren konnte man hier gar Tickets bis nach Tokio lösen.

1939 begannen von hier aus die Transporte der Wehrmacht nach Polen, zwei Jahre später für den Krieg gegen die Sowjetunion. Am 25. April 1945 trafen hier Eisenbahngeschütze der Roten Armee ein. Später diente die in Ostbahnhof umbenannte Station als Empfangsbahnhof für Staatsbesuche der DDR-Führung.

1987 wurde der Bahnhof saniert – und dem Namen nach aufgewertet: Bis 1998 war er Hauptbahnhof, wurde dann wieder in Ostbahnhof umbenannt und kämpft mit dem Bedeutungsverlust. Seit der Eröffnung des heutigen Hauptbahnhofs und der Neuordnung des Berliner Bahnknotens wurde es dort leerer und leerer. Immer weniger Fernzüge halten hier, bisweilen wirkt der Bahnhof regelrecht leergefegt. Unsere Redakteurin bedauert diesen Umstand sehr und formulierte einen Abschied vom Ostbahnhof. Wenn ihr noch mehr über die bewegende Geschichte dieses Bahnhofs erfahren möchtet, dann könnt ihr das hier tun. Nicht nur wegen der zahlreichen Umbenennungen und Neubauten lohnt sich der Blick in die Vergangenheit. Die Geschichte des Ostbahnhofs erzählen wir hier in 12 Bildern.


Bahnhof Alexanderplatz: Zwischen Drehkreuz und Schandfleck

Während der Berliner Teilung lag der Bahnhof Alexanderplatz in Ost-Berlin (ca. 1970) Foto: Imago/Marco Bertram
Während der Berliner Teilung lag der Bahnhof Alexanderplatz in Ost-Berlin (ca. 1970) Foto: Imago/Marco Bertram

Der Alexanderplatz gehört zu den höchstfrequentierten Orten der Stadt, gleiches gilt für den Bahnhof – was nicht unbedingt den Ruf verbessert. Tourist*innen beginnen hier gern ihre Exkursionen in die Stadt, Berliner*innen versuchen, möglichst schnell wieder wegzukommen. Was nicht schwer ist: Regionalbahnen, Busse, S- und U-Bahnverkehr, Trams – von hier geht es schnell in quasi sämtliche Winkel der Stadt (und darüberhinaus).

In jedem Fall ist der Bahnhof Alexanderplatz genau wie das Areal drumherum ausgesprochen spannend. Aufgebaut auf einem zugeschütteten Königsgraben, setzten zwei Weltkriege der Station ziemlich zu – zeitweise ging gar nichts, 1945 mussten die Folgen der Schlacht um Berlin sieben Monate lang beseitigt werden. Auch sonst musste immer saniert, ausgebessert, umgebaut werden. Auch in DDR-Zeiten: Da mussten Gänge und Verbindungen gekappt werden – damit kein Ost-Berliner plötzlich in den Westen abfährt. Mehr darüber und alles weitere Wissenswerte zum Bahnhof Alexanderplatz findet ihr hier.


Der Bahnhof Zoo: Der charismatischste unter den Berliner Bahnhöfen

Seltener Anblick: ein ICE am Bahnhof Zoo. Der einst wichtigste Bahnhof West-Berlins ist für den Fernverkehr nicht mehr von Bedeutung. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Im Gegensatz zu vielen anderen Berliner Bahnhöfen liegt der Bahnhof Zoo nicht im Nichts. Um das Gelände in der City West ist immer alles los. Der Bahnhof wurde 1882 erbaut, um den Zoologischen Garten besser anzubinden.

Sein Aufstieg begann aber erst zur Zeit der Teilung: Bis 1952 wurden in den West-Sektoren der Stadt alle Kopf- und Fernbahnhöfe geschlossen. Nur der Bahnhof Zoo blieb bestehen und wurde so zum wichtigsten Eisenbahnknotenpunkt von West-Berlin. Die zentrale Bedeutung des Bahnhofs lockte die unterschiedlichsten Menschen an. Der Bahnhof Zoo wurde in den 1970er-Jahren so auch zum Treffpunkt der Drogen- und Alternativ-Szene. Mit „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ entstand hier ein Mythos.

Nach der Wende blieb auch der Image des Bahnhofs rau, allerdings wurde der Fernverkehr ab 2006 durch die Eröffnung des Hauptbahnhofs eingestellt. Alles Wissenswerte über den Bahnhof Zoo lest ihr hier. Wir haben uns auch in der Vergangenheit umgesehen: Die Geschichte vom Bahnhof Zoo in 12 Fotos.


Der Bahnhof Berlin-Spandau: Der kleine Zwillingsbruder vom Hauptbahnhof

Der Bahnhof Spandau hat die längste Bahnsteighalle Deutschlands – die Halle wird über 432 Meter Länge auf 20.000 Quadratmetern Glasfläche umspannt. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Auf der ICE-Strecke Köln HBF – Berlin Ostbahnhof ist der Bahnhof Spandau die letzte Station vor Berlin. Kleiner Scherz am Rande. Der Bahnhof Spandau ist nicht zu unterschätzen und kann mit einigen interessanten Fakten aufwarten. Zum Beispiel hieß er, genauso wie der Hauptbahnhof, eine Zeit lang Lehrter Bahnhof, und zwar als er 1870 erbaut wurde. Infolge der Streitigkeiten durch den S-Bahn-Boykott ab 1961 wurde der S-Bahn-Verkehr im Westteil der Stadt niedergelegt. Für den Spandauer Bahnhof bedeutete dies 1980 das Ende.

1998 erstrahlte der Bahnhof Berlin-Spandau dank des renommierten Architekturbüros gmp wieder in neuem Glanz, der Personenverkehr wurde wieder aufgenommen. Der Bahnhof erinnert mit seiner riesigen Glasfassade an den Berliner Hauptbahnhof und wird gerne als kleiner Zwillingsbruder des Hauptbahnhofs bezeichnet. In einer Sache ist der Bahnhof einmalig: Er hat die längste Bahnsteighalle Deutschlands — die Halle wird über 432 Meter Länge auf 20.000 Quadratmetern Glasfläche umspannt. Hier könnt ihr mehr über den Bahnhof Spandau und seine spannende Geschichte erfahren.


Das Comeback des Nordkreuzes: Der Bahnhof Gesundbrunnen

Wie so viele Berliner Bahnhöfe kam auch für den Gesundbrunnnen die Wiederbelebung nach der Wiedervereinigung. Foto: Imago/Schöning
Wie so viele Berliner Bahnhöfe kam auch für den Gesundbrunnnen die Wiederbelebung nach der Wiedervereinigung. Foto: Imago/Schöning

Der Gesundbrunnen ist heute der wichtigste Bahnhof für den Norden der Stadt. Ihn nutzen täglich 203.000 Menschen. Kein Wunder, schließlich fahren hier die U-Bahn, die Ringbahn, die S-Bahn und der Fernverkehr lang. Dazu liefert das Gesundbrunnen-Center nebenan jede Menge Shopping-Möglichkeiten. Wer in den Norden Berlins möchte, kommt um den Gesundbrunnen nicht herum.

1871 ging der Bahnhof für die Ringbahn mit dem ersten Bahnsteig in Betrieb. Der Bahnhof entwickelte sich mehr und mehr zum wichtigen Knotenpunkt und Umsteigebahnhof.

Das blieb so bis 1952. Denn im geteilten Berlin unterstand die Deutsche Reichsbahn, zu der auch die S-Bahn gehört, auch in West-Berlin der DDR. Diese Konfliktpotenzial sorgte dafür, dass ab sofort am Gesundbrunnen keine Personenzüge mehr fuhren.

Erst nach dem Mauerfall wurden die teils maroden Bahnsteige erneuert und der Gesundbrunnen erstrahlte 2001 wieder in altem Glanz. Nach 40 Jahren Pause wurde wieder die S-Bahn-Strecke von Gesundbrunnen in Richtung Schönhauser Allee eröffnet. Wenn ihr mehr zur Geschichte des Bahnhofs Gesundbrunnen erfahren wollt – und warum er eigentlich nicht „Nordkreuz“ heißt, dann könnt ihr das hier tun. Wie immer blicken wir auch mit Bildern in die Vergangenheit: 12 Fotos vom Bahnhof Gesundbrunnen aus der Geschichte.


Aus der Gemächlichkeit ins Rampenlicht: Der Bahnhof Südkreuz

Aus der Luft kann man erkennen, welche Bedeutung das Südkreuz für den Fernverkehr hat. Foto: Imago Images/POP-EYE

Viele Zugezogene kennen den Bahnhof Südkreuz nur, weil Ikea gleich um die Ecke ist. Dabei ist das Südkreuz mittlerweile einer der modernsten Fernbahnhöfe Berlins und definitiv einen Umstieg wert. Seine Geschichte begann 1901 als Bahnhof Papestraße. Es bedurfte damals einen Umsteigebahnhof für die Strecken der Anhalter Bahn und der Dresdner Bahn, weil neben dem Fernverkehr auch ein Vorortverkehr betrieben werden sollte. So fuhren die S-Bahnen durch den Bahnhof Papestraße – bis zur Teilung der Stadt. Der West-Berliner Boykott der von der DDR betriebenen S-Bahnen ließen die Passagierzahlen zurückgehen. Und mit dem Reichsbahnstreik kam es dann zum völligen Stillstand.

Erst nach der Wende erweckte die Deutsche Bahn diesen Berliner Bahnhof wieder zum Leben – und wertete ihn auf. 1999 begann der Bau des neuen Südkreuzes. Aus der S-Bahn-Station sollte ein sogenannter Zukunftsbahnhof werden: Die Deutsche Bahn setzt hier heute auf nachhaltige Energie durch kleine Windkraftanlagen und Photovoltaik-Module. Insgesamt kostete der Neubau des Bahnhofs Südkreuz 115 Millionen Euro. Auch wenn um den Bahnhof herum kaum Leben herrscht, so ist er doch fürs Berliner Schienennetz sehr wichtig: Nach Norden führt er ins Berliner Zentrum, nach Süden in die Vororte, außerdem liegt er am Ring und dazu noch verkehrsgünstig in der Nähe des Autobahnkreuzes Schöneberg. 

Ihr möchtet euch zur kompletten Geschichte des Südkreuzes belesen? Dann hier entlang. Von der schläfrigen Vergangenheit bis zum regen Betrieb heute: Die Geschichte vom Bahnhof Südkreuz in Bildern erzählen wir hier.


Der Bahnhof Ostkreuz: Vom Rostkreuz zum Powerbahnhof

Beim Neubau plante man mit täglich 123.000 Besucher*innen. Heute sind es gut doppelt so viele. Foto: Imago Images/Pemax

Das Ostkreuz kennen viele als letzte Station vor den Clubs Sisyphos oder ://about blank. Dabei ist der Bahnhof einer der geschäftigsten in ganz Deutschland, schließlich kreuzt hier die Ost-West-Achse der S-Bahn die Ringbahn. 1903 entstand der Bahnhof unter dem Namen Stralau-Rummelsburg und blieb bis 2006 weitestgehend unverändert. Weil sich die DDR-Regierung stets vor den Kosten einer Generalüberholung scheute, hieß der Bahnhof im Volksmund auch „Rostkreuz“.

2006 begann die Deutsche Bahn mit der Modernisierung, was das Ostkreuz über Jahre zur Dauerbaustelle machte. Beim Neubau plante man ursprünglich mit täglich 123.000 Fahrgästen. Bei 1.500 täglichen Zughalten steigen hier etwa 250.000 Menschen in und aus den Zügen aus.

Alles, was ihr über den Bahnhof Ostkreuz wissen müsst, lest ihr hier. Und wie sich die Gegend verändert hat? Total, bis auf den Wasserturm. Unsere historischen Fotos vom Ostkreuz findet ihr hier.


Der Bahnhof Lichtenberg: Der Abstieg der ehemaligen Nummer Eins im Osten

Seit 2006 wird der Bahnhof im Fernverkehr nur noch von einzelnen Nachtzügen genutzt, wie der legendären Paris-Moskau-Linie. Foto: Imago/Schöning

Zu DDR-Zeiten war der Bahnhof Lichtenberg als Fern-, S- und U-Bahnhof der mit Abstand wichtigste Knotenpunkt für Ost-Berlin. Heute dient er hauptsächlich dem Regional- und Nahverkehr der Hauptstadt. Der Bahnhof begann 1867 ganz bescheiden als Rangierbahnhof der Preußischen Ostbahn auf der Strecke von Berlin nach Küstrin. Später kam der Personenverkehr hinzu, 1928 hielt die erste elektrische S-Bahn hier, zwei Jahre später fuhr die erste U-Bahn ein.

Nach der Teilung Berlins gewann der Bahnhof immer mehr an Bedeutung. Er wurde schrittweise zum Fernbahnhof ausgebaut und war damit das Pendant zum Bahnhof Zoologischer Garten im Westen.

Seit der Wiedervereinigung hat er unter den großen Berliner Bahnhöfen die geringste Bedeutung. Als der Hauptbahnhof und das Südkreuz 2006 ihren Betrieb aufnahmen, wurde Lichtenberg im Fernverkehr nur noch von einzelnen Nachtzügen genutzt – wie der legendären Paris-Moskau-Linie.

Wenn ihr euch noch mehr für die bewegte Geschichte des Bahnhofs Lichtenberg interessiert – wir haben sie aufgeschrieben.


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