Berlinale 2023

tip-Bärenorakel: Die Filme im Wettbewerb der Berlinale 2023

Auch in diesem Jahr wieder: der tipBerlin riskiert ein Bärenorakel, das notwendigerweise sehr aus dem Bauch heraus kommen muss, denn wir haben die Filme im Wettbewerb der Berlinale noch nicht gesehen, in manchen Fällen wissen wir abgesehen von einer kargen Inhaltsangabe gar nichts. Aber das Kino lebt ja auch gerade dort, wo es sich zu Märkten trifft, von Intuition, Neugierde, Vorfreude, von begründeten und unbegründeten Hoffnungen. Unser Ausblick auf den Wettbewerb der 73. Berlinale.


20.000 especies de abejas

Bärenorakel bei der Berlinale 2023: 20.000 especies de abejas. Foto: Gariza Films, Inicia Films

Quasi eine Hausberufung: Die baskische Regisseurin Estibaliz Urresola Solaguren hat mit dem Projekt 2022 beim Co-Production Market teilgenommen. Die Geschichte um ein missverstandenes Kind, das in der Bienenzucht ein wenig Frieden findet, könnte an den Vorjahressieger „Alcarràs“ anschließen.

  • Bärenchance: 20 %

20.000 especies de abejas“: Hier ist die Filmkritik.


Art College 1994

Art College 1994 im Wettbewerb der 73. Berlinale. Foto: Nezha Bros. Pictures Company Limited, Beijing Modern Sky Culture Development Co., Ltd

„Art College 1994“ ist ein Animationsfilm über chinesische Kunststudenten in den 90er-Jahren, das könnte auch als Schlüsselerzählung über die Entstehung der heutigen Volksrepublik gelesen werden. Regisseur Liu Han war 2017 mit „Have a Nice Day“ schon einmal im Wettbewerb.

  • Bärenchance: 40 %

Hier ist unsere Kritik zum Animationsfilm „Art College 1994“.


Bai Ta Zhi Guang (The Shadowless Tower)

Arthaus-Drama Bai Ta Zhi Guang, deutscher Titel: „Der schattenlose Turm“. Foto: Lu Films

Der Restaurantkritiker als Filmfigur bietet viele dramaturgische Möglichkeiten zwischen Sinnlichkeit und Intellekt – zu erwarten ist, auch aufgrund der früheren Filme von Zhang Lu, ein sensibles Arthouse-Drama.

  • Bärenchance: 30 %

Die Filmkritik zum ruhig fließenden Film „Der schattenlose Turm“ („Bai Ta Zhi Guang“) könnt ihr hier lesen.


Bis ans Ende der Nacht

Bärenorakel – Bis ans Ende der Nacht. Foto: Heimatfilm

Christoph Hochhäusler kennt das Kino in- und auswendig. Nun schickt er einen verdeckten Ermittler in eine Halbwelt, in der nicht nur die sexuellen Identitäten bisweilen unklar sind. Das kann ordentlich schief gehen, oder aber für eine Überraschung gut sein.

  • Bärenchance: 50 %

Die Filmkritik zum kühlen Thriller „Bis ans Ende der Nacht“ findet ihr hier.


BlackBerry

Berlinale 2023: BlackBerry im Wettbewerb. Foto: Budgie Films Inc.

Ein BlackBerry war einmal für eine Weile der Handcomputer für Handyverweigerer. Matt Johnson hat über eine Sackgasse in der Gadget-Geschichte einen Film gemacht, der vielleicht einen Nerv nicht nur im Handgelenk trifft.

  • Bärenchance: 40 %

Unsere Kritik zum Berlinale-Beitrag „BlackBerry“ lest ihr hier.


Disco Boy

Disco Boy bei der 73. Berlinale. Foto: Films Grand Huit

Die Fremdenlegion ist immer für wilde Geschichten gut, und so verbindet Giacomo Abbruzzese hier Osteuropa via Paris mit Nigeria, und Unrecht in aller Welt mit einem speziellen Ethos.

  • Bärenchance: 50 %

Ein magisch-mystischer Trip mit dem großartigen Franz Rogowski in der Hauptrolle. Unsere Kritik zu „Disco Boy“ lest ihr hier.


Le grand chariot

Foto: Benjamin Baltimore / 2022 Rectangle Productions – Close Up Films – Arte France Cinéma – RTS Radio Télévision Suisse – Tournon Films

Philippe Garrel macht seit vielen Jahren intime Filme. In diesem Fall spielen drei Kinder von ihm die Hauptrollen, es geht um eine Familie von Puppenspielern, ein Metier von zeitloser Schönheit, das aber aus der Zeit zu fallen droht.

  • Bärenchance: 50 %

Schauspielerkino, beiläufig inszeniert: Die Filmkritik zu „Le Grand Chariot“.


Ingeborg Bachmann – Reise in die Wüste

Ingeborg Bachmann – Reise in die Wüste. Berlinale 2023. Foto: Wolfgang Ennenbach

Neulich erst ist der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch erschienen, ein ziemlicher Ziegel über eines der großen Liebesmissverständnisse in der deutschen Literatur. Margarethe von Trotta ist Spezialistin für Themen und Konstellationen dieser Art, vielleicht passt es ja mit einem reifen Spätwerk.

  • Bärenchance: 60 %

Die tipBerlin-Filmredaktion hat „Ingeborg Bachmann – Reise in die Wüste“ gesehen. Zur Kritik.


Irgendwann werden wir uns alles erzählen

Bärenorakel für „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“. Foto: Pandora Film / Row Pictures

Thüringen im Jahr 1990: das kann in alle möglichen Richtungen gehen, Wendepolitik oder doch die angekündigte große Passion, oder beides zusammen. Emily Atef ist ein starker Auftritt zuzutrauen, und auf die junge Hauptdarstellerin Marlene Burow darf man neugierig sein.

  • Bärenchance: 70 %

„Irgendwann werden wir uns alles erzählen“: Hier ist die Filmkritik.


Limbo

73. Berlinale: Limbo. Foto: Bunya Productions

Der Film Noir wurde in den 1940er-Jahren in Hollywood erfunden, als düsteres Genre für eine neue Unübersichtlichkeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Seither wird der Noir (gern als Neo Noir) in alle möglichen Kontexte exportiert, in diesem Fall in das australische Hinterland, wo der Mord an einer Aboriginal-Frau aufzuklären ist.

  • Bärenchance: 40 %

Das zutiefst melancholische Drama „Limbo“ besprechen wir hier – zur Kritik.


Mal Viver

Aus Portugal: „Mal Viver“ bei der Berlinale. Foto: Midas Filmes

Portugal ist eine große Filmnation, die zuletzt ein wenig unterschätzt wurde. Das Charakterdrama, in dem Joāo Canijo von einer Gruppe von Frauen und deren Geheimnissen erzählt, kann sich als Füllmaterial für den Wettbewerb oder als dessen unerwarteter Höhepunkt erweisen.

  • Bärenchance: 30 %

Unsere Kritik zu „Mal Viver“ lest ihr hier – der Film schneidet nicht besonders gut ab.


Manodrome

Bärenorakel 2023 für „Manodrome“. Foto: Wyatt Garfield

Jesse Eisenberg hat schon des öfteren verblendete Charaktere gespielt. Seine Studie eines Mannes unter Druck wird sicher schon allein seines Auftritts wegen interessant, und dann spielt ja auch noch Adrien Brody mit. Zwei so begabte Kerle sollten auch die allertoxischste Männlichkeit in den Griff bekommen.

  • Bärenchance: 40 %

Wie die tipBerlin-Filmredaktion „Manodrome“ bewertet, lest ihr in der Kritik.


Music

„Music“ kriegt eine Bärenchance von 50 Pozent. Foto: faktura film / Shellac

Angela Schanelec musste erst international berühmt werden, um auch in Deutschland – und auf der Berlinale – als die große Künstlerin begriffen zu werden, die sie ist. In ihrem neuen Film sucht sie einmal mehr einen traumhaften Weg von Griechenland nach Berlin. Das Publikum wird sicher gespalten reagieren. Ob die Jury sich einigen kann?

  • Bärenchance: 50 %

Die tipBerlin-Filmredaktion hat Angela Schanalecs „Music“ gesehen, die Kritik lest ihr hier.


Past Lives

„Past Lives“ bei der Berlinale 2023. Foto: Jon Pack

Migrationsgeschichten zwischen Asien und Amerika enden selten im Elend, haben aber auch ihre eigenen Konfliktpotentiale, und nicht alle spielen im Milieu von Crazy Rich Asians. Von Celine Song darf man eher etwas still Melodramatisches erwarten, vielleicht ein bisschen à la Wayne Wang.

  • Bärenchance: 30 %

Die Filmredaktion ist begeistert von „Past Lives“: Einer der schönsten und berührendsten Filme im Wettbewerb. Die Kritik.


Roter Himmel

Bärenorakel für „Roter Himmel“. Foto: Christian Schulz / Schramm Film

Christian Petzold ist im Grunde fällig: Seit „Phoenix“ gehört er zum Olymp des deutschen Kinos. Dieses Jahr tritt er mit einer Geschichte an, die starke Gegenwartsbezüge (Waldbrände als Sinnbild der Klimakatastrophe) mit einer literaturtheoretischen Schnitzeljagd verbindet. Ein Höhepunkt oder ein Transit-Moment?

  • Bärenchance: 50 %

Unsere Filmkritik zu Christian Petzolds „Roter Himmel“ lest ihr hier.


Sur l’Adamant

„Sur l’Adamant“ bei der Berlinale. Foto: TS Production / Longride

Der große französische Dokumentarist Nicolas Philibert schildert den Alltag in einer Tageseinrichtung für psychisch Kranke. Nicht fiktionale Formen haben es immer noch tendenziell schwerer bei Jurys.

  • Bärenchance: 30 %

Die Filmkritik zu „Sur l’Adamant“ lest ihr hier.


The Survival of Kindness

Gute Bärenchance: The Survival of Kindness. Foto: Triptych Pictures

Die kurze Inhaltsangabe, die zu jedem Film auf der Berlinale-Webseite steht, klingt vielleicht bei keinem anderen spannender als bei dem neuen von Rolf de Heer: eine BlackWoman auf einem Weg durch die Welt. Kann höherer allegorischer Blödsinn sein, vielleicht aber auch ein Bild (und eine Figur), die 2023 etwas erfasst, wovon wir bisher nichts wussten.

  • Bärenchance: 60 %

Unsere Filmkritik zu „The Survival of Kindness“ lest ihr hier.


Suzume

Zweiter Animationsfilm im Wettbewerb – Suzume. Foto: 2022 „Suzume“ Film Partners

Der zweite Animationsfilm im Wettbewerb: hohe japanische Genrekunst, absehbarerweise schräge Fantasien, wunderbar gezeichnet und entfaltet, so steht zu vermuten. Die Vorschusslorbeeren gelten da natürlich ein bisschen der Tradition, aus der „Suzume“ kommt.

  • Bärenchance: 60 %

Wie schneidet der Film „Suzume“ bei der Kritik ab? Lest ihr hier.


Tótem

Mexikanisch-dänisch-französische Koproduktion bei der Berlinale 2023. Foto: Limerencia

Eine mexikanisch-dänisch-französische Koproduktion, in erster Linie aber ein mexikanischer Film. Das Land ist geradezu überreich an Metaphysik, wie auch an starkem Kino. Die Regisseurin Lila Avilés war früher Schauspielerin, sie weiß um die Magie des Lebens. Unser spekulativer Favorit.

  • Bärenchance: 80 %

Die tipBerlin-Filmredaktion hebt in der Kritik zu „Tótem“ vor allem die Leistung der jungen Naíma Sentíes hervor.


Die Preise der Berlinale

Die Bären sind verliehen, die Preisträger der 73. Berlinale stehen fest. Hier die Infos zum Goldenen Bären und den Silbernen Bären: Preise der Berlinale 2023.


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Tickets, Termine und Spielorte: Wir haben die wichtigsten Infos zur Berlinale. Spaß auf der Berlinale: Die lustigsten Fotos vom roten Teppich.  Mit diesen Promis rechnen wir auf der Berlinale. Alle Texte zum internationalen Filmfestival in der Hauptstadt findet ihr auf unserer Themenseite zur Berlinale. Das Berlinale-Programmheft könnt ihr hier finden. Noch mehr Termine: Hier findet ihr die wichtigsten Filmfestivals 2023 in Berlin. Berlinale, schön und gut, aber was läuft sonst? Hier ist das aktuelle Kinoprogramm für Berlin. Mehr aus der Filmwelt lest ihr in unserer Kino-Rubrik.

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