Sommer

Wasserstadt Berlin – Zehn Dinge, die man in Berlin auf dem Wasser machen kann

Vom Wasser aus gesehen ist unsere Stadt eine völlig andere, der Blick auf sie angenehm erfrischt. Wie man zu diesem Perspektivenwechsel kommt, steht auf den folgenden Seiten voller wassernaher Angebote, die auch Landratten nutzen können

SusanneNilsson/ flickr/ CC BY SA 2.0

Nirgendwo verdichtet sich das Berliner Lebensgefühl wie da, wo alles im Fluss ist. Wer Teil davon sein möchte, den zieht es spätestens jetzt, wo der Sommer da ist, auf die Gewässer der Stadt. Auf der Spree, dem Landwehrkanal, den Berliner Seen geht es um neue und um alte Freiräume, um Traditionen und Wandel – oder kurz gesagt: um alles.
Dabei scheint das einzige Gesetz zu sein, das für alle gültig ist: Menschen auf dem Wasser sind Freunde. Vom Ufer wird jedenfalls meist freundlich zurückgewunken, wenn sie ­vorüberschippern – egal ob es Spreepiraten sind, mit selbstgebautem Floß und Soundsystem, oder Sonntagsausflügler auf der Weißen Flotte, mit Waldmeisterbier und Handykamera.

Es ist aber auch ein friedliches Bild, das dabei entsteht. Kaum sind ein paar Sonnenstrahlen da, fahren die Berliner in Schlauchbooten rund um die Molecule Men in den Sonnenuntergang. Oder mit Tretbooten um die Liebesinsel. Wer es komfortabler möchte, der hat eine große Auswahl an Mietbooten, von Sportbooten und Partyflößen für Ausflügler bis hin zu großen Schiffen als Eventlocation.

Was auf dem Wasser sonst noch alles möglich ist, das lotet die Truppe der Spreepiraten aus. Sie tummeln sich zwischen alteingesessenen Hausbootbesitzern und Schifffahrtsgesellschaften. Sie werfen einfach den Anker ins Wasser und veranstalten dann, wofür sie an Land keinen Raum haben – ob Theater, Kino, Yoga-Kurse, Upcycling-Workshops, Sauna. Oder einfach leben, in den letzten Freiräumen der Stadt.
Eine Brise Anarchie weht über die Gewässer Berlins. Nach dem Aufstieg der Partyboote geben momentan die selbstgebauten Kulturflöße maßgeblich den Ton auf Spree & Co. vor. Der ist tolerant und partizipativ. Bei Spree-Demos hagelt es dementsprechend Arschbomben statt Pflastersteine.

1. Restaurant-Schiff Spreearche
Was auf den ersten Blick wirkt wie die ultimative Marketingstrategie, wurde aus der Not geboren: Weil Inhaber Frank Cotte keinen dauerhaften Liegeplatz für sein schwimmendes Blockhaus mit Gastronomiebetrieb fand, verlegte er es kurzerhand 50 Meter vom Ufer entfernt mitten auf die Spree. Die Gäste lässt er mit dem Holzfloß abholen. Und zurückbringen, versteht sich. Auf Bundesebene ist die Spreearche durch das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt genehmigt – doch mit dem Bezirk gibt es weiter Ärger. Von Turbulenzen ist an Bord, sei es auf den Sonnenterrassen oder im Blockhaus, nichts zu spüren: Der Seegang ist minimal. Spezialität des Hauses mit eigener Räucherei sind fangfrische Fische zu regionalen Produkten.
Spreearche an der Mündung der Müggelspree in den Müggelsee, Überfahrt mit dem Holzfloß alle 15 Minuten vom Müggelschlößchenweg, Köpenick. Geöffnet Di bis Fr bei schönem Wetter von 12 bis 20 Uhr, Sa und So von 12 bis 22 Uhr. Infos zu tagesaktuellen Öffnungszeiten unter
Tel. 0172/ 304 21 11, www.spreearche.de

2. BVG-Ruderboot-Fähre in Kleinhelgoland
F24 heißt sie im Fahrplan der Berliner Verkehrbetriebe, „Paule III“ steht am Bug des roten Ruderkahns. Sie ist die einzige Ruderbootfähre Berlins und setzt zwischen den Haltestellen Kruggasse in Rahnsdorf und den Müggelheimer Spreewiesen über – zum Preis des Kurzstreckentarifs der BVG. Zwölf Ruderschläge sollen es sein, die der Fährmann dafür braucht. Seit Anfang Mai ist ein neuer Ruderer im Dienst. Der Vorgänger hat sich in den Ruhestand verabschiedet. Wie gehabt können acht Personen mitfahren und sogar Fahrräder werden transportiert, ausgenommen Tandems und E-Bikes. Offiziell legt die Fähre stündlich ab. Doch wenn Fahrgäste bereits warten und auch noch die Losung „Fährmann hol über“ kennen, sind auch mal außerfahrplanmäßige Transporte drin.
BVG-Ruderboot-Fähre Die F24 (Paule III) verkehrt von Mai bis Oktober immer Samstag, Sonntag und feiertags von 11 bis 19 Uhr zwischen den Haltestellen Kruggasse in Rahnsdorf und Spreewiesen in Müggelheim. Weitere BVG-Fähren sind die F10 zwischen Wannsee und Alt-Kladow, die F11 zwischen Oberschöne­weide und Baumschulenstraße, die F12 ­zwischen Wendenschloss und Grünau, die F21 zwischen Krampenburg und Schmöckwitz sowie die F23 zwischen Müggelwerderweg und Kruggasse. www.bvg.de

3. Solarboot-Verleih in Köpenick
Solarwaterworld möchte mitbasteln an einer umweltfreundlichen Schifffahrt von morgen. Schon 1995 eröffnete die Firma die erste Solar­boottankstelle weltweit in Köpenick, damit es mit dem Schippern mit Sonnenenergie auch nach Einbruch der Dämmerung noch klappt. Im Osthafen stehen führerscheinfreie Boote für 8 und 12 Personen ab 40 Euro pro Stunde zur Verfügung, in Köpenick gibt es dazu noch einen Zweisitzer ab 15 Euro pro Stunde. Die großen Charterboote bieten Platz für bis zu 55 Personen.
Solarwaterworld Mietstation in Köpenick: Müggelheimer Str. 1 und Mietstation Osthafen: Stralauer Allee 3, Friedrichshain. Geöffnet Mo bis Fr von 12 bis 20 Uhr, Sa und So von 11 bis 20 Uhr, Tel. 0151 74 55 44 33 und E-Mail: solarbootverleih@solarwaterworld.de. www.solarwaterworld.de

4. 10 Jahre Berlin Beats & Boats Party-Schiffe
Zum zehnten Mal laufen in diesem Jahr die „Berlin Beats & Boats“-Party-Schiffe aus. Gefeiert wird auf 13 Ausflugsdampfern der Weißen Flotte der Stern- und Kreisschifffahrt und der Reederei Riedel. Dabei sind 50 DJs von Berliner Labels, Clubs und Festivals, wie Wilde Agency und Ritter Butzke. Zum Schluss kommt die große Abschluss-Sause: Die Schiffe treffen sich alle auf dem Müggelsee.
10 Jahre Berlin Beats & Boats  am 14. Juli, 14 bis 20 Uhr über Spree und Müggelsee, Afterparty auf dem Badeschiff, auf der Hoppetosse und im Arena Club. Tickets gibt es ab Mitte Mai ab 43 Euro (inklusive Afterparty) online unter www.berlin-beats-boats.de

5. Spree-Demos
Die besten Demos sind immer noch diejenigen, die Lebensfreude ausstrahlen und damit eine klare Alternative zeigen zur Tristesse der festgefahrenen Gesellschaftsentwürfe. Kaum eine Demo vereint Vielfalt und Spaß so gekonnt wie die auf dem Wasser. Am Ende sitzen wir ja doch alle in einem Boot …
Zur geplanten Großdemonstration der AfD in Berlin am 27. Mai ist unter dem Motto „Stoppt den Hass“ eine Gegendemonstration in Planung. Es soll auch eine Route übers Wasser geben – wer könnte auch Toleranz und eine offene Gesellschaft besser repräsentieren als Berlins bunte Flotte. Weitere Infos im Internet unter www.stopptdenhass.org.
Am Tag zuvor findet bereits eine weitere Wasser-Demonstration statt: „Ahoi Kohleausstieg – raus aus der ­Steinkohle.“ Die Demo am 26. Mai vor dem Heizkraftwerk Moabit – zu Wasser und zu Land – hat dieses Jahr zwei Anlässe: Zum einen ist es ein Jahr her, dass das letzte Berliner Braunkohlekraftwerk geschlossen wurde. Jetzt knöpfen sich die Demonstranten zwei große Steinkohlekraftwerke im Berliner Westen vor. Sie fordern den endgültigen Kohleausstieg in Berlin bis 2025. Start: 14 Uhr am Nordhafen, Moabit. Anmeldung unter info@kohleausstieg-kohlberlin.de, weitere Infos unter www.kohleausstieg-berlin.de
Spree-Demos „Stoppt den Hass“: Gegendemo zur AfD-Großdemonstration, 27.5., www.stopptdenhass.org „Ahoi Kohleausstieg – raus aus der ­Steinkohle“, 26.5. vor dem Heizkraftwerk Moabit, Start 14 Uhr Nordhafen, www.kohleausstieg-berlin.de

6. Seeadler-Beobachtung Großer Müggelsee
Majestätisch kann es zugehen am Großen Müggelsee – hoch in der Luft. Wer hier auf̓ s Wasser geht, sollte den Blick mal nach oben lenken. Tagsüber ziehen Seeadler mit bis zu 2,40 Meter Spannbreite über dem Wasser ihre Runden. Sie sind auf der Suche nach Nahrung, am liebsten bei Sonne. Zwei Seeadlerpaare brüten am Müggelsee: eines auf Berliner und eines auf Brandenburger Boden.
Seeadler Gucken Großer Müggelsee, tagsüber

Bootsverleih Schiffskontor

7. Bootsverleih ­Schiffskontor
Sie heißen Arcona, Emster, Möwe, Paul und Paula – und sie lassen die Herzen von Kapitäninnen und Kapitänen höher schlagen. In der bunten Flotte des Schiffskontors tummeln sich etliche Blickfänge wie Anna, ein Schlepper und Eisbrecher, der rosa Rivabus Aphrodite, die japanische Stahlyacht Kotaro, die Barkasse Moguntia und Oskar, das Wasser­taxi. Es gibt Arbeitsboote, Partyboote, Fahrgastschiffe. Hier wird auf jeden Fall fündig, wer raus aufs Wasser möchte – ob auf Holzplanken sitzend im Ruderboot oder auf Polstermöbeln im Luxusschiff.
Schiffskontor Am Speicher 7 auf der Stralauer Halbinsel, Tel. 246 47 99 60 und E-Mail: info@schiffskontor.de www.schiffkontor.de

8. Badeschiff
Wem das Thema Wasserqualität den Badespaß verdirbt, der kann trotzdem in der Spree baden: im schwimmenden Fluss-Pool, in der Tradition der Flussbadeanstalten der Jahrhundertwende. Das Badeschiff am Osthafen ist seit dem 1. Mai wieder eröffnet. Es besteht aus dem umgebauten Mittelteil eines in der Flussschifffahrt zu Frachtzwecken genutzten Schubverbandes. Zwischen Oberbaumbrücke und Molecule Men kann man sich hier schon seit 14 Jahren unbeschwert den Badefreuden hingeben oder auf den Stegen das sanfte Lüftchen um die Nase wehen lassen. Es gibt Yoga- und Stand Up Paddle-Kurse mit dem Stand Up Club Berlin, Musikevents und Strand-Partys.
Badeschiff Bis 9. September täglich ab 8 Uhr je nach Wetter und Andrang geöffnet, Telefon für aktuelle Infos: 0162 545 13 74, Eintritt 5,50 Euro, ermäßigt 3 Euro. Badeschiff Arena Berlin, Eichenstr. 4, ­Alt-Treptow. www.arena.berlin/veranstaltungsort/badeschiff

9. Theater-Katamaran Traumschüff
Die Traumschüff-Besatzung hat sich vorgenommen, Theater an kleine Orte zu bringen, wo es sonst keine Bühne gibt. „Theater im Fluss“ nennen sie das. Dafür fahren sie mit ihrem Wander­theater-Katamaran „Traumschüff“ die Havel entlang und spielen in wechselnden Bradnenburger Orten. Verankert jedoch ist die Crew in Berlin. Hier feiern sie Ende Juli auch in ihren ersten Geburtstag rein – dafür und für weitere Spieltermine Anfang August suchen sie noch einen geeigneten Liegeplatz. Die vier verschiedenen Produktionen, die sie auf die Bühne bringen, beschäftigen sich mit regionalen Themen. Dazu gibt es stückbezogene Theater-Workshops. Das ganze Projekt ist auch gedacht als Austausch zwischen Stadt- und Landbevölkerung.
Traumschüff Termine in Berlin: 28. Juli ab 12 Uhr Geburtstagsfeier (Liegeplatz gesucht), 1. und 2. August Theater ab 19 Uhr, am Ausflugslokal Mutter Lustig, Müggelheimer Str. 1, Köpenick, 3., 4. und 5. August Theater und Lesung ab 19 Uhr (Liegeplatz gesucht), Eintritt frei, Spenden erwünscht, E-Mail: ahoi@traumschueff.de. www.traumschueff.de

10. Wassersportcenter Berlin Wannsee
Direkt neben dem Strandbad Wannsee liegt das Wassersportcenter – mit eigenem Sandstrand. Zu den hier angebotenen Kursen zählen Windsurfen, Segeln, Sportboot-Führerschein, Stand Up Paddling. Es gibt außerdem einen Verleih für Segel-, Tret-, Paddel- und Ruderboote, Surfmaterial und Stand Up ­Paddle-Equipment. Der Strand wird für Events vermietet.
Wassersportcenter Berlin Wannsee Wannseebadweg 25, Nikolassee, geöffnet Mo bis Fr von 12 bis 18 Uhr, Sa und So von 10 bis 18 Uhr, ­Telefon: 76 72 23 05, E-Mail: info@wassersportcenter-berlin.de. www.wassersportcenter-berlin.de

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