Bahnlinien

Die Ringbahn: Station für Station auf Berlins größtem Karussell

Für eine gewisse Zeit war Berlin zwischen Ost und West geteilt, das vergisst so schnell niemand. Die viel wichtigere Grenze verläuft aber zwischen Innen und Außen, diesseits und jenseits der Gleise der Ringbahn. Am 17. Juli 1871 ging der erste Teilabschnitt in Betrieb, seither hat sich der Kreis geschlossen: 37 Kilometer Schienen rund um den Bereich, den man als Innenstadt begreifen könnte: die Tarifzone A, 88 Quadratkilometer groß. Eine Fahrt mit der Ringbahn dauert rund 60 Minuten, 27 Haltestellen fahren die Linien S41 und S42 an. Manche lieben die Ringbahn, andere sehen in ihr den siebten Kreis der Hölle. Klar ist: Das Karussel dreht sich und schleudert Passagiere in alle Ecken der Stadt. Wir fahren mit (im Uhrzeigersinn mit der S41) und stellen Station für Station der Berliner Ringbahn vor.


Westhafen

Ringbahn und Gleise des Güterbahnhofs: Blick auf den Westhafen. Foto: Imago/Schöning
Ringbahn und Gleise des Güterbahnhofs: Blick auf den Westhafen. Foto: Imago/Schöning

Unten an den Gleisen der U9 wird man von Zitaten Heinrich Heines und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte begrüßt. Und oben offenbart sich der Blick auf Schienen, so weit das Auge reicht. Man kann das desolat finden oder einen ganz eigenen Charme entdecken in der Gleisanlage. Wie in einer Industriemetropole sieht es hier aus, weil westlich der Station an Ringbahn-Kilometer 0 noch heute Güter für Berlins größten Binnenhafen umgeschlagen werden. Wer am Bahnhof Westhafen aussteigt, befindet sich auf einer Insel: Der Ortsteil Moabit ist von allen Seiten von Wasser umschlossen – und ziemlich aufregend.


Wedding

Im Wedding kann man umsteigen noch absteigen. Foto: Imago/Jürgen Ritter
Im Wedding kann man umsteigen und absteigen. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Am Streckenkilometer 2,5 – die Ringbahn zählt im S41-Uhrzeigersinn – liegt der S-Bahnhof Wedding, der bereits 1872 eröffnet wurde und damit zu den ältesten Stationen entlang der Ringbahn zählt. Nach dem Reichsbahnstreik 1980 ruhte der Zugverkehr hier, bis im Sommer 2002 mit dem Lückenschluss zwischen Wedding und Gesundbrunnen der letzte Abschnitt der Ringbahn wieder in Betrieb ging. Wer möchte, steigt hier in die U6 – oder erkundet den Ortsteil, der 2019 vom britischen „Time Out“-Magazin zu einer der coolsten Gegenden der Welt erklärt wurde. Warum das so ist, findet man am besten raus, indem man sich hier auf der Müllerstraße treiben lässt.


Gesundbrunnen

Bisschen unscheinbar, aber praktisch: Der Bahnhof Gesundbrunnen ist das Nordkreuz im Berliner Nahverkehr. Foto: Imago/Chromorange
Bisschen unscheinbar, aber praktisch: Der Bahnhof Gesundbrunnen ist das Nordkreuz im Berliner Nahverkehr. Foto: Imago/Chromorange

Zwischenzeitlich war der Bahnhof hier fast zur Bedeutungslosigkeit verkommen, ein Mauerblümchen an einer stillgelegten Strecke. Mit der Rückkehr der Ringbahn änderte sich das, und der Ausbau zum Nordkreuz hauchte dem Bahnhof Gesundbrunnen neues Leben ein, auch wenn das Gebäude selbst zu wünschen übrig lässt. Immerhin könnt ihr hier sogar sonntags im Biomarkt einkaufen – oder vom historischen Flakturm auf einen der schönsten Berliner Parks blicken: den Humboldthain.


Schönhauser Allee

Es gab eine Zeit vor den Arcaden: Erinnerungsfotos am Bahnhof Schönhauser Allee. Foto: Imago/PEMAX
Es gab eine Zeit vor den Arcaden: Erinnerungsfotos am Bahnhof Schönhauser Allee. Foto: Imago/PEMAX

Die Ringbahn war 1877 komplett, 1879 wurde der Bahnhof Schönhauser Allee in Betrieb genommen, die U2 hält hier an einem 1913 eröffneten Hochbahnhof. An die historischen Bahnhofshallen erinnern Fotos an den Gleisen, die Gebäude selbst mussten bis 1999 einem Einkaufszentrum weichen. Überhaupt wurde die Gegend nach der Wende kräftig durchgeschüttelt. Ein paar Konstanten gibt es zwar an der Schönhauser noch, etwa die legendäre Currywurstbude Konnopke. Aber aus proletarisch wurde hier posh – für unsere Autorin war der Umzug nach Prenzlauer Berg jedenfalls ein Kulturschock.


Prenzlauer Allee

Macht was her: der historische Bahnhof Prenzlauer Allee. Foto: Imago/Rolf Zöllner
Macht was her: der historische Bahnhof Prenzlauer Allee. Foto: Imago/Rolf Zöllner

1891/1892 wurde die Prenzlauer Allee an die Ringbahn angeschlossen. Das Klinker-Empfangsgebäude stammt noch aus jener Zeit, und selbst die Bahnsteigüberdachung ist historisch akkurat. Steigt man hier aus, landet man schnell im Helmholtzkiez rund um die Lychener, Schliemann- und Dunckerstraße. Viele unserer besten Tipps für Prenzlauer Berg findet man direkt hier. Und jenseits der vielbefahrenen Prenzlauer Allee kann man am Zeiss-Großplanetarium und Thälmann-Denkmal vorbei durch eine der der schönsten Gegenden im Osten Berlins spazieren.


Greifswalder Straße

Im Kreis fahren und auf Platten blicken: der Ernst-Thälmann-Park am S-Bahnhof Greifswalder Straße. Foto: Imago/Zöllner
Im Kreis fahren und auf Platten blicken: der Ernst-Thälmann-Park am S-Bahnhof Greifswalder Straße. Foto: Imago/Zöllner

1875 eröffnete der Bahnhof an der Ringbahn unter dem Namen Weißensee – was durchaus irreführend ist, denn das Gelände lag nie auf Weißenseer Gebiet. Seit 1946 hat der Bahnhof den viel treffenderen Namen Greifswalder Straße, zwischenzeitlich war er auch nach der DDR-Plattenbausiedlung Ernst-Thälmann-Park benannt, die hier in den Himmel ragt. Das lohnt sich allemal, auch wenn die große Skulptur des Kommunistenführers dort nicht allen behagt. Auch sonst haben wir von DDR-Chic über Puppentheater bis zum wunderschönen Märchenbrunnen gute Tipps an der Greifswalder Straße für euch.


Landsberger Allee

S-Bahnhof Landsberger Allee an der Ringbahn. Foto: Imago/Steinach
S-Bahnhof Landsberger Allee an der Ringbahn. Foto: Imago/Steinach

Wer Ost-Berlin in den 1980er-Jahren erlebt hat, dürfte an der Landsberger Allee wehmütig werden – und zwar nicht, weil sie nicht mehr Leninallee heißt. Sondern weil das Sport- und Erholungszentrum, einst Freizeitparadies mit Wellenbad, noch immer nicht wiedereröffnet ist und noch immer keine vernünftige Lösung für das Gelände gefunden wurde. Sportlich ist es im Osten von Prenzlauer Berg trotzdem: Das 1997 fertiggestellte Velodrom ist Austragungsort des Sechs-Tage-Rennens und Bühne für schweißtreibende Konzerte. Gegenüber, rechts der Storkower Straße, haben sich zwischen Garagen und Werkstätten Clubs ihren Platz erkämpft.


Storkower Straße

Die Fußgängerbrücke am S-Bahnhof Storkower Straße. Spitznamen: „Langer Jammer“ und „Rue de Galopp“. Foto: Imago/Rolf Zöllner

Der Bahnhof Storkower Straße ist der letzte Zipfel vom Prenzlauer Berg, der ins Gebiet von Lichtenberg und Friedrichshain hineinragt. Der Bahnhof selbst ist der einzige entlang der Ringbahn ohne Dach. Dafür gibt es hier eine beeindruckende Fußgängerbrücke, die sich aufgrund der Verwahrlosung zu DDR-Zeiten den Spitznamen „Langer Jammer“ eingefangen hat. Sie überquert ein Gelände, das früher Carnivoren und unlängst Investoren lockte: Mehr über die Geschichte und die großen Pläne für den Zentralvieh- und Schlachthof Berlin lest ihr hier.


Frankfurter Allee

Ringbahn der Linie S41 am Bahnhof Frankfurter Allee. Foto: Imago/Olaf Wagner
Ringbahn der Linie S41 am Bahnhof Frankfurter Allee. Foto: Imago/Olaf Wagner

Die alte Bahnhofshalle der Ringbahn wird hier fast zerquetscht vom Ring-Center, das unsere Leser:innen zu den härtesten Orten in Berlin zählen. Mögen muss man das nicht. Man kann hier in die U5 rumsteigen und kommt so raus nach Hönow oder tiefer nach Friedrichshain. Auf dem Weg nach Westen begegnet einem der Stolz des Ostens: Die Frankfurter, ehemals Stalinallee, wurde von DDR-Architekten als Prachtboulevard wieder aufgebaut.


Ostkreuz

Einer der geschäftigsten Bahnhöfe Berlins: das Ostkreuz. Foto: Imago/Arnulf Hettrich
Einer der geschäftigsten Bahnhöfe Berlins: das Ostkreuz. Foto: Imago/Arnulf Hettrich

Der Umsteigebahnhof an der Ringbahn war lange als „Rostkreuz“ verschrien, und so ganz fertig ist es immer noch nicht, auch wenn die neue Halle steht. Das Ostkreuz ist zwar ein unscheinbarer Transitort, aber ungemein geschäftig: Was die Anzahl von S-Bahn-Passagieren angeht, hält die Station Rekorde. In bester Brachlage haben sich nahe dem Bahnhof das ://about blank und Zukunft am Ostkreuz angesiedelt, auf der Seite der Sonntagstraße lockt der Kiez mit kleinen Läden, Gastronomie und buntem Treiben. Wie das Leben in Friedrichshain sich anfühlt und weshalb man doch wieder wegzieht, lest ihr hier.


Treptower Park

Der Turm im Hintergrund heißt wirklich Treptower. Foto: Imago/PEMAX
Der Turm im Hintergrund heißt wirklich Treptower. Foto: Imago/PEMAX

Auf Kilometer 14,3 der Ringbahn befindet sich der Bahnhof Treptower Park, etwas weiter westlich war am kürzeren Ende die DDR schon wieder vorbei. Mit der deutschen Teilung wurden für Züge nach Neukölln zunächst Grenzkontrollen eingeführt, die Verbindung ab 1961 dann ganz gekappt, zurückgebaut und erst Ende 1997 wieder aufgenommen. Seither ist die Fahrt zum idyllisch am Spreeufer gelegenen Treptower Park nicht mehr so aufwendig.


Sonnenallee

Ringbahn Berlin: Sonniger Tag am Bahnhof Sonnenallee. Foto: Imago/Schöning
Sonniger Tag am Bahnhof Sonnenallee. Foto: Imago/Schöning

1990 hatte Rio Reiser dem Revolutions-Rock den Rücken gekehrt und zahlte seine Miete mit rotzigen Pop-Perlen. Eine davon heißt „Sonnenallee“ und lässt den Schluss zu, Neukölln sei ein Kaff, in dem sich das Leben zwischen Kaufhaus und Kirmes abspielt. Das ist natürlich nur eine Momentaufnahme. Die ganze Geschichte der Sonnenallee vom Feldweg zum Schmelztiegel lest ihr hier.


Neukölln

Alfred Grenander trifft auf Fast-Food-Zweckbauten. Hier steigt man von der Ringbahn in die U7 um. Foto: Imago/Schöning
Alfred Grenander trifft auf Fast-Food-Zweckbauten. Hier steigt man von der Ringbahn in die U7 um. Foto: Imago/Schöning

Pünktlich zum Neujahrstag 1872 eröffnete der damalige Bahnhof Rixdorf und band die als Partyhochburg des Kaiserreichs verschriene Gemeinde an die Ringbahn an. Das heute sanierte Bahnhofsgebäude wie auch die unterirdische U7-Station gehen auf Alfred Grenander zurück, dessen Spuren man in der gesamten Bahnhofsarchitektur Berlins findet. Besonders einladend ist das trotzdem nicht, aber dafür hat man hier die Karl-Marx-Straße vor der Tür. Bester Startpunkt für eine Tour durch Neukölln, für das wir hier Tipps haben.


Hermannstraße

Von der Hermannbrücke führen die Treppen zu den Bahnsteigen der Ringbahn. Foto: Imago/Schöning
Von der Hermannbrücke führen die Treppen zu den Bahnsteigen der Ringbahn. Foto: Imago/Schöning

An das rote Ziegelsteinhäuschen, durch das man im 19. Jahrhundert auf die Ringbahn-Gleise kam, erinnert am Bahnhof Hermannstraße nichts mehr: Zwar wurde das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Gebäude in den 1960er-Jahren rekonstruiert, in den 1970er-Jahren dann doch durch schlichte Neubauten ersetzt, der Bahnsteig in den 1980ern dafür historisch hergerichtet und pünktlich nach der Wende wiederum abgerissen und unter der Brücke neu gebaut. Langweilig ist es an der Hermannstraße also nie gewesen. Wer trotzdem weg will, steigt hier in einen der Busse Richtung Britzer Garten oder holt sich eine Überdosis Berlin ab und fährt mit der U8 von hier ans andere Ende der Stadt.


Tempelhof

Tempelhof: Hier hält die Ringbahn am liebsten Freiluftspielplatz der Berliner*innen. Foto: Imago/Frank Sorge
Tempelhof: Hier hält die Ringbahn am liebsten Freiluftspielplatz der Berliner*:nnen. Foto: Imago/Frank Sorge

Die Geschichte des Bahnhofs Tempelhof reicht bis ins Jahr 1875 zurück, ganz in der Nähe befanden sich Kasernen für preußische Regimenter, und überhaupt war das Tempelhofer Feld ein Exerzierplatz, bevor hier Flugzeuge starteten und landeten. Alles Schnee von gestern. Aus den Waggons der Ringbahnlinien S41 und S42 habt ihr einen fantastischen Blick auf Berlins größte Freifläche, ein Eingang befindet sich direkt an der Station Tempelhof. In ferner Zukunft könnte der Park sogar seinen eigenen Bahnhof erhalten. Alles, was ihr über das Tempelhofer Feld wissen müsst, lest ihr hier. Für den Kurztrip nach Tegel kann man hier auch in die U6 umsteigen.


Südkreuz

Ringbahnhalle am Südkreuz. Foto: Imago/Rüdiger Wölk
Ringbahnhalle am Südkreuz. Foto: Imago/Rüdiger Wölk

Die ehemalige Station Papestraße führte viele Jahrzehnte ein Schattendasein – erst als etwas umständlicher Umsteigebahnhof von Ring- zu Vorortbahnen Richtung Sachsen und Anhalt, dann als verschlafener Bahnsteig für eine Ringbahn, die zur Zeit der Teilung gar nicht mehr fuhr. Daran erinnert aber wenig in dem Koloss aus Glas, Stahl und Beton: Das Südkreuz ist einer der modernsten Bahnhöfe Berlins. Wer nicht nur wegen der Ikea-Filiale aussteigt, findet in der Nähe auf alten Gleisen für Güterzüge ein fast verwunschenes Naturschutzgebiet: den Natur-Park Schöneberger Südgelände.


Schöneberg

Etwas in die Jahre gekommen: der Bahnhof Schöneberg. Foto: Imago/Tagesspiegel
Etwas in die Jahre gekommen: der Bahnhof Schöneberg. Foto: Imago/Tagesspiegel

Die Vorortbahn zum Wannsee war etwas spät dran: Bis Anfang der 1930er-Jahre fehlte der beliebten Strecke die Anbindung an die Ringbahn. In Schöneberg wurde dafür tabula rasa gemacht, die jahrzehntealten Bahnhöfe abgerissen und durch einen Turmbahnhof ersetzt, der noch heute steht. Wer bei der Fahrt mit der Ringbahn gern aus dem Fenster schaut, kann den Gasometer hier gar nicht übersehen. Alle anderen, die hier aussteigen, finden bei unseren Tipps für Schöneberg sicher das Richtige.


Innsbrucker Platz

Das Degewo-Hochhaus im Hintergrund, errichtet 1926/27 vom Büro Mebes & Emmerich, gilt als erster Wohnturm Berlins. Foto: Imago/Schöning
Das Degewo-Hochhaus im Hintergrund, errichtet 1926/27 vom Büro Mebes & Emmerich, gilt als erster Wohnturm Berlins. Foto: Imago/Schöning

Am Innsbrucker Platz hat man das Gefühl, mitten auf die Autobahn zu stolpern. Die Gegend rund um den Bahnhof ist von Straßenverkehr geprägt und teilweise unüberschaubar. Hier startet Schönebergs Hauslinie, die U4 – mit gerade einmal fünf Stationen ist sie Berlins kürzeste U-Bahn-Linie. Die Strecke lässt sich entsprechend bequem einfach zu Fuß gehen, immer die Hauptstraße entlang. An deren nördlichem Ende, Hausnummer 155, lebte David Bowie während seiner Berliner Jahre. Wie es um das Anliegen bestellt ist, die Haupt- endlich in David-Bowie-Straße umzubenennen, haben wir Paul Spies vom Stadtmuseum gefragt.


Bundesplatz

Zwischen Friedenau und Wilmersdorf verläuft die Ringbahn. Foto: Imago/Cathrin Bach
Zwischen Friedenau und Wilmersdorf verläuft die Ringbahn. Foto: Imago/Cathrin Bach

Der Bundesplatz im Norden des idyllischen Friedenaus war ein bisschen spät dran: Erst 1950 kam man auf die Idee, den Kaiserplatz umzubenennen, einen Kaiser hatte Deutschland zu dem Zeitpunkt schon 32 Jahre nicht mehr. In den 1960er-Jahren wurde die Gegend an der Ringbahn kräftig aufgewirbelt, mit dem Bau der Stadtautobahn brach der Baulärm über den Kiez herein. Der Idylle konnte das erstaunlicherweise nicht viel anhaben, Friedenau war zeitweise sogar Hauptquartier von Berliner Gegenkultur und Intelligenzija: Schriftsteller wie Uwe Johnson und Günter Grass lebten hier, und auch die Kommune I hatte sich dort angesiedelt.


Heidelberger Platz

Im Hintergrund ragt das Heizkraftwerk Wilmersdorf in den Himmel. Foto: Imago/Stefan Zeitz
Im Hintergrund ragt das Heizkraftwerk Wilmersdorf in den Himmel. Foto: Imago/Stefan Zeitz

Am Wochenende herrscht auf den Bahnsteigen gähnende Leere, üblicherweise wird es montags bis freitags aber vor allem gegen 8 und 10 Uhr rappelvoll hier: Studierende der FU steigen dann von der Ringbahn um und strömen zu ihren Vorlesungen und Seminaren. In den 1980er-Jahren verwahrloste der damals noch Schmargendorf genannte Bahnhof, 1993 wurde er unter dem Namen Heidelberger Platz wiedereröffnet. Die gesamte Anlage steht unter Denkmalschutz, was vor allem daran liegt, dass der wunderschöne Bahnhof der U3 etwas von einer mittelalterlichen Kathedrale hat, während sonst in Berlin Neue Sachlichkeit dominiert.


Hohenzollerndamm

Geschütztes Ensemble: Der Zugang zur Ringbahn ist mit einem Wohnhaus kombiniert. Foto: Fridolin freudenfett (Peter Kuley)/Wikimedia Commons/CC BY-SA 3.0
Geschütztes Ensemble: Der Zugang zur Ringbahn ist mit einem Wohnhaus kombiniert. Foto: Fridolin freudenfett (Peter Kuley)/Wikimedia Commons/CC BY-SA 3.0

1910 wurde dieser Bahnhof eröffnet, ganz zeitgemäß mit Elementen des in Berlin eher seltenen Jugendstils angereichert. Das Empfangsgebäude mitsamt Wohnhaus ergeben eine architektonische Einheit. Offiziell liegt das Ensemble zwar in Halensee. Aber es lohnt sich, dem Hohenzollerndamm mindestens bis zum Preußenpark zu folgen und das gemütliche Wilmersdorf zu entdecken.


Halensee

Neubauten in Halensee an den Gleisen der Ringbahn. Foto: Imago/Stefan Zeitz
Neubauten in Halensee an den Gleisen der Ringbahn. Foto: Imago/Stefan Zeitz

Steigt man in Halensee aus den Zügen der Ringbahn aus, offenbart sich vor allem: viel Verkehr. Straßenlärm und die Autobahn prägen die Gegend rund um den Bahnhof. Wenig weiter westlich steht am Rathenauplatz mit Wolf Vostells Beton-Cadillacs ein Kunstwerk über die Vergänglichkeit der Autokultur. Läuft man hingegen nach Osten, gelangt man gleich ins Herz der City-West und kann entspannt über den Kurfürstendamm schlendern.


Westkreuz

Mit Ost- und Südkreuz kann sich das Westkreuz nicht messen. Foto: Imago/Jürgen Heinrich
Mit Ost- und Südkreuz kann sich das Westkreuz nicht messen. Foto: Imago/Jürgen Heinrich

Sollte jemals eine Immobilienfirma mit „Wohnen am Westkreuz“ werben, wäre das ein guter Grund, um stutzig zu werden: Während Gesundbrunnen, Ost- und Südkreuz riesige Bahnhöfe in (teilweise) lebendigen Gegenden sind, findet man rund um das Pendant im Westen: Wüste. Bis in der Brache Wohnungen oder vielleicht ein Park entstehen, ist das Westkreuz vor allem ein Umsteigebahnhof.


Messe Nord/ICC

Das ICC direkt an der Ringbahn. Am aluminiumverkleideten High-Tech-Bau scheiden sich die Geister. Foto: Imago/Stefan Zeitz
Das ICC direkt an der Ringbahn. Am aluminiumverkleideten High-Tech-Bau scheiden sich die Geister. Foto: Imago/Stefan Zeitz

Direkt am S-Bahn-Ring ist in den späten 1970er-Jahren ein Raumschiff gelandet: das Internationale Congress Centrum, kurz ICC. 313 Meter lang und fast 40 Meter hoch ist der Bau von Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte – und mit Baukosten von damals mehr als 900 Millionen Mark war es das teuerste Gebäude West-Berlins. Der Koloss ist verschlissen, seine Zukunft steht in den Sternen. Am Bahnhof Messe Nord/ICC könnt ihr zum ZOB gelangen, am Kaiserdamm in die U2 umsteigen – oder Filmgeschichte nachspüren: Die Unterführung am Messedamm ist einer der meistgenutzten Drehorte in Berlin.


Westend

Ein würdiger Bahnhof fürs Villenviertel. Foto: Imago/Schöning
Ein würdiger Bahnhof fürs Villenviertel. Foto: Imago/Schöning

Westend wurde als noble Villenkolonie errichtet und erhielt 1877 einen Bahnhof an der Ringbahn. Das standesgemäß prächtige Neorenaissance-Empfangsgebäude entstand 1884 und erfuhr rund 100 Jahre später mit der zeitweisen Stilllegung der Ringbahn eine interessante Zwischennutzung: Im „Künstlerbahnhof“ unterhielt der Verein der Freunde der Universität der Künste hier Ateliers. Jenseits der Villenkolonie liegt die Reichsstraße, Einkaufsmeile in Westend. Folgt ihr hingegen dem Spandauer Damm ein Stück nach Osten, gelangt ihr schnell zum Schloss Charlottenburg, dem wohl prächtigsten Bau Berlins.


Jungfernheide

Eingang zum Bahnhof Jungfernheide im Nordwesten des Rings. Foto: Imago/Steinach
Eingang zum Bahnhof Jungfernheide im Nordwesten des Rings. Foto: Imago/Steinach

Am Streckenkilometer 34,6 liegt der Bahnhof Jungfernheide, die Runde mit der Ringbahn ist fast geschafft. Früher hielt hier noch die Siemensbahn, eine stillgelegte Strecke, deren Reaktivierung geplant ist. Der Weg übers Autobahnkreuz Charlottenburg nach Nordwesten lohnt sich aber so oder so: Die Großwohnsiedlung Siemensstadt zählt zum UNESCO-Welterbe. Und wenn ihr hier in die U7 umsteigt, seid ihr bald beim namensgebenden Park des Bahnhofs: dem Volkspark Jungfernheide.


Beusselstraße

Ringbahn: In Hamburgs Kontorhausviertel abgeguckt: Lagergebäude am Westhafen.  Foto: Imago/Steinach
In Hamburgs Kontorhausviertel abgeguckt: Lagergebäude am Westhafen. Foto: Imago/Steinach

Rund zwei Kilometer fährt man mit der S41 von Jungfernheide zur Beusselstraße, dazwischen liegen Lagerhallen und Großmärkte. Die zahlreichen Gleise des Güterbahnhofs Moabit sind wieder in Sichtweite, ebenso die düstere Backsteinarchitektur der BEHALA-Verwaltungsgebäude. Zwischen denkmalgeschützten Gebäuden, industrieller Zweckarchitektur, Kränen und Containern liegt Streckenkilometer Null der Ringbahn. Wer selbst im Sommer lieber die S-Bahn als das Fahrrad nimmt, kann sich vom Bahnhof Beusselstraße über unwirtliche Verkehrskreuzungen bis zum wunderschönen Strandbad Plötzensee vorkämpfen. Oder nach einer Stunde Fahrt die Runde im Kreis wiederholen, vielleicht auch zur Abwechslung gegen den Uhrzeigersinn.


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