1 Kommentar

Quoten-Queens

@font-face { font-family: "Times New Roman"; }@font-face { font-family: "Arial"; }p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal { margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: 12pt; font-family: "Times New Roman"; }table.MsoNormalTable { font-size: 10pt; font-family: "Times New Roman"; }span.navigreen {Ilia Papatheodorou vom Performer-Kollektiv She She Pop hat im Interview mit Spiegelonline ein lustige Idee vorgetragen: „Ich würde mir wünschen, dass im nächsten Jahr mindestens die Hälfte aller Theatertreffen-Einladungen an Frauen geht.“  Weil so was bekanntlich nicht von alleine kommt, muss eine Quote her. Aber eine Theatertreffen-Frauenquote von 50 Prozent kann nur der Anfang sein. Auch die Migranten unter den Regisseuren haben ein Recht darauf, per Quote ihre Plätze beim Theatertreffen gesichert zu sehen. Vielleicht kommt dann sogar der mittelmäßig begabter Regisseur Nurkan Erpulat wieder in den Genuss einer Theatertreffeneinladung. Weil es auch ältere Menschen in dieser Gesellschaft nicht immer leicht haben, ist es ein Gebot der Menschlichkeit, Regisseuren jenseits der 60 mindestens zwei feste Theatertreffen-Einladungen zu reservieren. She She Pop kommen bekanntlich aus der sogenannten Freien Szene. Was liegt näher, als auch der verfolgten Minderheit der freien Theaterschaffenden mit einer Quote ein warmes Plätzchen beim Theatertreffen zu sichern, um sie so endlich vor den Launen einer Kritikerjury zu schützen, die seit Ewigkeiten in geradezu menschen- und minderheitenverachtender Brutalität ihre Theatertreffen-Einladungen allein von der künstlerischen  Qualität einer Inszenierung abhängig macht. Diese diskriminierende Praxis muss ein Ende haben! Auch Ostdeutsche, Homosexuelle, aber auch Heterosexuelle und bekennende Asexuelle, Schwaben, Andreas Kriegenburg, Drogenanhängige, Vegetarier und Taubstumme müssen endlich dank einer Quote beim Theatertreffen, aber auch in der Auswahljury angemessen repräsentiert werden.

Peter Laudenbach

ist mal wieder so was von politisch korrekt       

von  Peter Laudenbach
Veröffentlicht: 10.05.2011 , Zuletzt aktualisiert: 10.05.2011

Kommentare

Quote an der Currywurst

Ich will nur eine mindestens 50%ige Mädelsquote an den Currywurstbuden. Das Anbandeln ist dann gleich einfacher. fb: page Cobadin Obermaier

Kultur im Leerlauf

Version:1.0 StartHTML:0000000185 EndHTML:0000005146 StartFragment:0000002621 EndFragment:0000005110 SourceURL:file://localhost/Users/peterlaudenbach/Desktop/KANTINE%20schulze.doc @font-face { font-family: "Times New Roman"; }@font-face { font-family: "Arial"; }p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal { margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: 12pt; font-family: "Times New Roman"; }table.MsoNormalTable { font-size: 10pt; font-family: "Times New Roman"; }div.Section1 { page: Section1; }



Etwas Hochkulturbetriebs-Verhöhnung gefällig? Wie wäre es damit: „Allenfalls Gegenstand von Interpretationsspielen nach dem Theaterbesuch in der Pizzeraia, tangiert der Inhalt das Publikum viel weniger als die Darstellung. Mehr und mehr überlagern Nebenattribute und Oberflächenreize inhaltliche Tiefenstrukturen.“ Auch wenn man einwenden könnte, in der Kunst seien Form und Inhalt, „Oberflächenreize“ und „unhaltliche Tiefestrukturen“ kaum zu trennen, genügt es, dem Pausengeplauder in einem beliebigen Theater zu lauschen, um dem mitleidlosen Autor dieses Frontalangriffs die Zustimmung nicht ganz versagen zu können. Weiter im Text: „Oft genügt die bloße Suggestion von Bedeutsamkeit, das Einstreuen von Signalen der Besonderheit, die symbolische Versicherung, dass sich der Urheber etwas gedacht habe und dass die Veranstaltung das Prädikat `Hochkultur` verdiene. Urheber, Interpreten, Rezensenten und Publikum verbrüdern sich zu einer Bedeutungskumpanei, bei der alle Beteiligten einander schmeichelhafterweise unterstellen, dass sie wüssten, worum es eigentlich geht.“ Rumms. Nicht sehr nett. Die Diagnose: Es geht um nichts, das aber unter größtmöglicher Bedeutungssimulation. Nachdem die Dünkelfraktion erledigt ist, wendet sich der Ethnologe des Kulturbetriebs den Moralisten und Schwarzsehern zu, die immer schon gewusst haben, dass es kein richtiges Kulturleben im falschen gibt: „In den Rauchwolken eines zur Routine gewordenen Kulturpessimismus spielen sich Spektakel der Beschwörung großer Ansprüche ab.“ Mit so kalter Analyse kann nur ein Außenstehender über den Kulturbetrieb schreiben. In diesem Fall ist es der Soziologe Gerhard Schulze, dessen schon etwas ältere, aber immer noch gültiger Untersuchung zur „Erlebnisgesellschaft“ wir diese Einsichten verdanken. Wobei natürlich auch das Gegenteil gilt: Auch im leer laufenden Kulturbetrieb gibt es immer wieder tolle Kunst. 


Peter Laudenbach

von  Peter Laudenbach
Veröffentlicht: 20.01.2011 , Zuletzt aktualisiert: 20.01.2011

Post von Peymann

@font-face { font-family: "Times New Roman"; }@font-face { font-family: "Arial"; }p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal { margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: 12pt; font-family: "Times New Roman"; }table.MsoNormalTable { font-size: 10pt; font-family: "Times New Roman"; }div.Section1 { page: Section1; }

 @font-face { font-family: "Times New Roman"; }@font-face { font-family: "Arial"; }p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal { margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: 12pt; font-family: "Times New Roman"; }table.MsoNormalTable { font-size: 10pt; font-family: "Times New Roman"; }div.Section1 { page: Section1; } Claus Peymann verschickt gerne Mails. Kritikern, die nicht ganz so sehr von seinen Regie-Künsten begeistert sind wie er selbst, teilt er dann zum Beispiel wutschnaubend mit, dass sie in Zukunft am Berliner Ensemble nur noch Randplätze bekommen werden. Wir werden Peymanns Theater also nicht mehr aus der Mittelachse ertragen müssen. Ob es dadurch besser wird, wissen wir aber auch nicht. Mitte Dezember kam schon wieder eine dieser aufgekratzten Mails aus dem Berliner Ensemble. Thema: Alles wird schlimmer, besonders das Theater. Nun, am BE werden sie wissen, wovon sie da reden. Bei einer BE-Veranstaltung hatten sich zwei verbitterte ältere Herren, der für seinen schlechten Geschmack gefürchtete Feuilleton-Funktionär Peter Iden und Claus Peymann, über den Lauf der Welt ausgetauscht. Weil sich das öffentliche Interesse daran möglicherweise in Grenzen hielt, verschickt die BE-Pressestelle Mails mit den schönsten Zitaten, die wir schon aus alter Treue zu Claus Peymann hier gerne zum besten geben. Peymann: „Ich beobachte mit Schrecken, wie sich die Quantität von Theater reduziert.“ Das Problem am BE ist eher die Qualität. Peymanns Diagnose: „Vielleicht geschieht das auch, weil wir uns selbst überhaupt nicht mehr ernst nehmen.“ Lustige These, es sei ein Problem, dass sich die Theaterleute selbst nicht ernst nehmen. Erfahrungsgemäß nehmen Theaterleute kaum etwas anderes als sich selbst ernst. Und das desto energischer, desto weniger Grund sie dazu haben. Dass davon ihr Theater nicht besser wird, beweist jede Peymann-Premiere auf´s neue. So kann man Peter Iden im Prinzip nur zustimmen, wenn er im BE stöhnt: „Das Theater heute befindet sich in einem Absturz, in einem Niedergang. Heutiges Theater ist oftmals so phantastisch schlecht, so widerwärtig falsch, so absichtsvoll die Vorlage zerstören wollend – entweder aus böser Absicht oder aus Dummheit, wahrscheinlich aus einer Mischung aus beidem....“ Stimmt. Jedenfalls am Berliner Ensemble.

Peter Laudenbach 

von  Peter Laudenbach
Veröffentlicht: 23.12.2010 , Zuletzt aktualisiert: 23.12.2010

Geld

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Unter einer besonders lustigen Überschrift wurde neulich im Maxim Gorki Theater über die Finanzprobleme der Theater diskutiert. Die Ursachen dafür, dass derzeit von Wuppertal bis Bonn und von Halle bis Potsdam die Bühnen in finanzielle Nöte geraten, sind banal und in der Regel nicht selbstverschuldet: Den Geldgebern geht das Geld aus. Die Kommunen, die wichtigsten Träger der Stadttheater, leiden unter struktureller Unterfinanzierung. Die Rezession hat tiefe Spuren in ihren Etats hinterlassen. Die Neuverschuldung der Kommunen hat in 2010 ein Rekordniveau erreicht. Also sparen sie, wo sie können. Bei gesetzlich vorgeschriebenen Ausgaben wie im Sozialetat, dürfen sie nicht sparen. Bei der Kultur dürfen sie. Pech für die Theater.


Die denkbar dümmste Antwort auf diese Situation formuliert in milieutypischer Mauligkeit der Titel der Diskussion im Maxim Gorki Theater: „Genug Geld ist da.“ Soll wohl heißen: Wenn der Staat Milliarden zur Stützung „systemrelevanter“ Banken ausgibt, müssen auch ein paar Millionen für die Theater drin sein. So verworren können nur Subventionsempfänger argumentieren. Geld fällt nicht vom Himmel. Es ist nicht einfach „da.“ Es muss erwirtschaftet werden. Die Theater erwirtschaften kein Geld. Sie geben es aus. Also müssen sie mit jeder Premiere und jeder Repertoire-Vorstellung ihre immer noch ziemlich üppige öffentliche Finanzierung aus Steuergeldern legitimieren. Zum Beispiel durch intelligentes Theater. Zum Beispiel durch große Kunst. Zum Beispiel dadurch, dass sie ihr Publikum ernst nehmen. So ernst, dass sie sich nicht an reine Unterhaltungsbedürfnisse anbiedern, sondern ihren Zuschauern zutrauen, Vergnügen am Denken zu haben. Das ist gegenüber der Allgemeinheit, die jede Theaterkarte mit gut hundert Euro subventioniert, nur höflich. Und es erhöht die Überlebenschancen der Subventionstheater mit Sicherheit mehr als eine etwas arrogante Anspruchshaltung. Theater, das niemand braucht, will völlig zu Recht auch niemand mit seinen Steuern finanzieren.

Peter Laudenbach

 

 

von  Peter Laudenbach
Veröffentlicht: 06.12.2010 , Zuletzt aktualisiert: 06.12.2010

Sicherheitsrisiko Theater



Angesichts der neuen Terror-Warnungen hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière die Bevölkerung aufgefordert, auf Menschen zu achten, die sich „auffällig“ verhalten. Das könnte in Berlin schwierig werden. Hier fallen eher Leute, die nicht unter Verhaltensauffälligkeiten leiden, als rare Ausnahmen auf.  Wenn es einen Ort gibt, an dem „auffälliges“ Verhalten zur Grundvoraussetzung gehört, ist es ohne Zweifel das Theater: wer hier nicht auffallen will, sollte sich am besten gleich an einen Schreibtisch im Bundesinnenministerium versetzen lassen. Die um sozialauffälliges Verhalten bemühten Theaterkünstler kann die Drohung, dass man jetzt genauer auf sie achten wird, naturgemäß nicht schrecken. Genau darum geht es ja! Endlich Beachtung finden! Auch die auffallend hohe Anzahl von Schläfern im Theaterparkett sollte den Sicherheitsbehörden nicht entgehen. Dass sich politisch interessierte Theaterleute gerne selbst für Gefährder halten, die es dem Kapitalismus, den Neoliberalen, dem US-Imperialismus, kurz: dem System, so richtig zeigen wollen, kann man dagegen ruhig als milieutypische Selbstüberschätzung abhaken. Womit wir dann leider doch wieder bei Volker Lösch wären, der im Dezember eine Inszenierung an der Schaubühne anrichtet. Ein freier Mitarbeiter, Herr Brecht aus Augsburg, hat uns aus diesem Anlass sein Gedicht „Der Theaterkommunist“ zugeschickt: „Eine Hyazinthe in Knopfloch / Am Kurfürstendamm / Empfindet der Jüngling / Die Leere der Welt (...) Müde der Arbeit / seines Vaters / befleckt er die Cafés / hinter den Zeitungen / Lächelt er gefährlich / Er ist es, der / Die Welt zertreten wird wie / Ein Kuhflädchen / Für 3000 Mark im Monat / Ist er bereit / das Elend der Massen zu inszenieren / Für 100 Mark am Tag / Zeigt er / Die Ungerechtigkeit der Welt.“ Das Gedicht ist ein wenig veraltet, was man nicht nur daran erkennt, dass der Theaterkommunist vom Kurfürstendamm als „Jüngling“ bezeichnet wird. Auch die Währung und die Gagenhöhe haben sich inzwischen deutlich verändert.

Peter Laudenbach
 

von  Peter Laudenbach
Veröffentlicht: 20.11.2010 , Zuletzt aktualisiert: 20.11.2010

Mehr Geriatrie wagen!



In Zeiten des demographischen Wandels geht das Berliner Ensemble mutig voran. Eine alternde Gesellschaft braucht auch alternde Theaterdirektoren! Besitzstandswahrung, Selbstbedienungsmentalität und Alterstarrsinn müssen auch im Theater ihren angemessenen Platz finden. Schließlich ist das Theater immer so verkommen wie die Gesellschaft, die es bezahlt. Claus Peymann, 73 und für sein Alter beneidenswert rüstig, hat seinen Intendantenvertrag am BE bis ins Jahr 2014 verlängert. Dass er dann 77 Jahre alt sein wird, ist selbstverständlich kein Hinderungsgrund, nicht schon jetzt über eine weitere Vertragsverlängerung bis mindestens 2017 nachzudenken, um dem guten Mann wenigstens bis zum 80. Geburtstag Intendantengehalt und Regiergagen, geschätzt etwa eine Viertelmillion Euro im Jahr, zu sichern. Dafür zahlt man doch gerne Steuern. Die Vertragsverhandlungen zwischen dem Intendanten, BE-Gesellschaftern und der BE-Geschäftsführung dürften unkompliziert gewesen sein: Peymann ist praktischerweise in Personalunion Intendant, Gesellschafter und Geschäftsführer des BE. Er wäre dumm, hätte er seinen Vertrag nicht verlängert: So bequem verdient er nie wieder irgendwo anders so gut. Dass eine andere Stadt so verstrahlt ist, ihm noch einmal ein größeres Theater anzuvertrauen, ist nicht zu befürchten.
Dass der Nebenbei-Kultursenator Wowereit der Vertragsverlängerung zugestimmt hat, ist auch nicht weiter überraschend. Wowereit macht Wahlkampf und hat keine Lust, es sich mit dem links-sentimentalen Spießermilieu aus ergrauten PDSlern, Gewerkschaftsfunktionären, Studienräten und frei laufenden Gutmenschen im BE-Zuschauerraum zu verderben. Ein Grund mehr, Wowereit nicht mehr zu wählen.

Peter Laudenbach

von  Peter Laudenbach
Veröffentlicht: 19.11.2010 , Zuletzt aktualisiert: 19.11.2010

Mehr Geriatrie wagen!



In Zeiten des demographischen Wandels geht das Berliner Ensemble mutig voran. Eine alternde Gesellschaft braucht auch alternde Theaterdirektoren! Besitzstandswahrung, Selbstbedienungsmentalität und Alterstarrsinn müssen auch im Theater ihren angemessenen Platz finden. Schließlich ist das Theater immer so verkommen wie die Gesellschaft, die es bezahlt. Claus Peymann, 73 und für sein Alter beneidenswert rüstig, hat seinen Intendantenvertrag am BE bis ins Jahr 2014 verlängert. Dass er dann 77 Jahre alt sein wird, ist selbstverständlich kein Hinderungsgrund, nicht schon jetzt über eine weitere Vertragsverlängerung bis mindestens 2017 nachzudenken, um dem guten Mann wenigstens bis zum 80. Geburtstag Intendantengehalt und Regiergagen, geschätzt etwa eine Viertelmillion Euro im Jahr, zu sichern. Dafür zahlt man doch gerne Steuern. Die Vertragsverhandlungen zwischen dem Intendanten, BE-Gesellschaftern und der BE-Geschäftsführung dürften unkompliziert gewesen sein: Peymann ist praktischerweise in Personalunion Intendant, Gesellschafter und Geschäftsführer des BE. Er wäre dumm, hätte er seinen Vertrag nicht verlängert: So bequem verdient er nie wieder irgendwo anders so gut. Dass eine andere Stadt so verstrahlt ist, ihm noch einmal ein größeres Theater anzuvertrauen, ist nicht zu befürchten.
Dass der Nebenbei-Kultursenator Wowereit der Vertragsverlängerung zugestimmt hat, ist auch nicht weiter überraschend. Wowereit macht Wahlkampf und hat keine Lust, es sich mit dem links-sentimentalen Spießermilieu aus ergrauten PDSlern, Gewerkschaftsfunktionären, Studienräten und frei laufenden Gutmenschen im BE-Zuschauerraum zu verderben. Ein Grund mehr, Wowereit nicht mehr zu wählen.

Peter Laudenbach

von  Peter Laudenbach
Veröffentlicht: 19.11.2010 , Zuletzt aktualisiert: 19.11.2010

Mehr Geriatrie wagen!



In Zeiten des demographischen Wandels geht das Berliner Ensemble mutig voran. Eine alternde Gesellschaft braucht auch alternde Theaterdirektoren! Besitzstandswahrung, Selbstbedienungsmentalität und Alterstarrsinn müssen auch im Theater ihren angemessenen Platz finden. Schließlich ist das Theater immer so verkommen wie die Gesellschaft, die es bezahlt. Claus Peymann, 73 und für sein Alter beneidenswert rüstig, hat seinen Intendantenvertrag am BE bis ins Jahr 2014 verlängert. Dass er dann 77 Jahre alt sein wird, ist selbstverständlich kein Hinderungsgrund, nicht schon jetzt über eine weitere Vertragsverlängerung bis mindestens 2017 nachzudenken, um dem guten Mann wenigstens bis zum 80. Geburtstag Intendantengehalt und Regiergagen, geschätzt etwa eine Viertelmillion Euro im Jahr, zu sichern. Dafür zahlt man doch gerne Steuern. Die Vertragsverhandlungen zwischen dem Intendanten, BE-Gesellschaftern und der BE-Geschäftsführung dürften unkompliziert gewesen sein: Peymann ist praktischerweise in Personalunion Intendant, Gesellschafter und Geschäftsführer des BE. Er wäre dumm, hätte er seinen Vertrag nicht verlängert: So bequem verdient er nie wieder irgendwo anders so gut. Dass eine andere Stadt so verstrahlt ist, ihm noch einmal ein größeres Theater anzuvertrauen, ist nicht zu befürchten.
Dass der Nebenbei-Kultursenator Wowereit der Vertragsverlängerung zugestimmt hat, ist auch nicht weiter überraschend. Wowereit macht Wahlkampf und hat keine Lust, es sich mit dem links-sentimentalen Spießermilieu aus ergrauten PDSlern, Gewerkschaftsfunktionären, Studienräten und frei laufenden Gutmenschen im BE-Zuschauerraum zu verderben. Ein Grund mehr, Wowereit nicht mehr zu wählen.

Peter Laudenbach


von  Peter Laudenbach
Veröffentlicht: 19.11.2010 , Zuletzt aktualisiert: 19.11.2010

Alles echt!



Volker Lösch, immer auf der Suche nach den Erniedrigten und Beleidigten, die er in seinen Inszenierungen im Chor aufmarschieren lassen kann, hat eine neue Opfergruppe des Kapitalismus ins Visier genommen: Nach Arbeitslosen, Ausländern, Strafgefangenen und Kindern, wollte er diesmal echte Banker in seiner neuen Schaubühnen-Inszenierung auftreten lassen. Aber Bankmitarbeiter sind hinterhältig: Erst verursachen sie eine Wirtschaftskrise, und dann ist es ihnen auch noch zu blöd, sich in einer Lösch-Inszenierung zum Affen zu machen. So wird das ja nie was mit der Kapitalismuskritik! Aber Lösch ist flexibler als jeder Anlageberater. Weil sich nicht genug Bankmitarbeiter bei der Schaubühne zwecks Lösch-Arbeiten meldeten, engagierte der gefürchtete Agit-Prop-Regisseur halt Angehörige einer anderen Zielgruppe: Sexarbeiterinnen. Schön, wenn ein Regisseur in so erfreulicher Klarheit demonstriert, wie komplett austauschbar seine Themen, Stücke und Figuren sind. Titel des geplantes Werkes: „Lulu – Die Nuttenrepublik“. Hossa! Und das, obwohl die Schaubühne durch ihre Marktforschung jüngst rausgefunden hat, dass die ewigen Nackten auf ihrer Bühne die Endverbraucher im Zuschauerraum auf Dauer eher nerven als erfreuen.
Lustiger als Volker Löschs Chöre von echt Betroffenen, sind die Kommentare auf der Internetplattform nachtkritik: „Und als nächstes kommt der Biberpelz – mit echten Bibern!“, „Oder ein Kirschgarten – mit echten Kirschen.“ Ein User wirft „andere Vorschläge“ in die Runde: „Die Ratten mit echten Ratten. Den Tasso mit echten Tassen. Den Tell mit echten Tellern.“ Letzter Vorschlag: „Goethes Werther mit Werthers Echten.“



 

von  Peter Laudenbach
Veröffentlicht: 25.10.2010 , Zuletzt aktualisiert: 25.10.2010

Hamburg

Eigentlich ist mir Hamburg egal. Ab und zu fahre ich zum Arbeiten nach Hamburg und verschwinde anschließend möglichst schnell wieder. Das Hamburger Theaterleben ist mir auch eher egal. Seit Frank Baumbauer seine Intendanz am Hamburger Schauspielhaus vor zehn Jahren be­endet hat, gab es nicht mehr so wahnsinnig viele Gründe, zum Theater nach Hamburg zu fahren.  
Dass ich mich plötzlich für das Hamburger Theater interessiere, liegt da­ran, dass die lustigen Dilettanten des schwarz-grünen Hamburger Senats gerade vorführen, dass sie Kulturpolitik mit Harakiri verwechseln. Dass sie sparen müssen (zum Beispiel, weil die alberne Elbphilharmonie zig Millionen verschlingt), ist das eine. Aber dass sie dem Deutschen Schauspielhaus Hamburg, immerhin das größte deutsche Sprechtheater, erst den Etat rasieren und dann, nachdem der recht erfolglose Intendant die Nerven verloren hat und sehr abrupt zurückgetreten ist, mal unverbindlich darüber nachdenken, den Laden mit dem ­Thalia Theater zu fusionieren, ist aberwitzig. Das wäre etwa so, als würde man sämtliche großen Theater Berlins einem Generalintendanten anvertrauen. Das kann nicht funktionieren. Die Hamburger Kulturpolitiker demonstrieren recht ungeniert ihr komplettes Desinteresse, ihre Verachtung für Kultur. So werden sie garantiert keinen ernst zu nehmenden Nachfolger für die Leitung des Hamburger Schauspielhauses finden. Stattdessen kommen Gerüchte über eine mögliche Abwicklung des Schauspielhauses auf. Verglichen mit dieser Harakiri-Kulturpolitik ist sogar Wowereit seriös. Wie es aussieht, werden die Zeiten für die subventionierten Theater deutlich härter.

Sie wollen dem Autor Ihre Meinung sagen?
Bitte sehr: kantine@tip-berlin.de

von  Peter Laudenbach
Veröffentlicht: 29.09.2010 , Zuletzt aktualisiert: 29.09.2010
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